Erklärung vom Edelacker

Der AAA
Arbeitskreis Ausbildungsstätten für Altenpflege in der BRD

Wir sind seit 1986 der trägerübergreifende Zusammenschluss der Altenpflegeschulen
in Deutschland.
Wir sind die bundesweite berufspolitische und berufspädagogische Stimme für die
Qualität der Altenpflegeausbildung.
Wir sind Forum für alle, die sich für Altenpflegeausbildung engagieren und
interessieren.
Wir gestalten und schaffen gemeinsam mit vielen Partnern Strukturen und Konzepte
für eine zukunftsorientierte Ausbildung.

Altenpflegeausbildung ist unsere Leidenschaft!

AltenpflegerInnen sind Spezialisten für die Entwicklung von Konzepten, die dem
demographischen Wandel gerecht werden.
Das Engagement in die Altenpflegeausbildung ist für den AAA Voraussetzung für
eine erfolgreiche Personalentwicklung und das Bestehen der Einrichtungen am
Markt. Im demographischen Wandel wird der Wettbewerb um spezifisch qualifizierte
MitarbeiterInnen zunehmen. Wir bieten Einrichtungen und Diensten in Europa unsere
Expertise an, diese Aufgabe zu realisieren.

Beruf Altenpflege

Altenpflege ist als eigenständiger Ausbildungsberuf unverzichtbar.
Die Ausbildung qualifiziert einzigartig für die Pflege, Betreuung, Beratung und
Begleitung von Menschen im Alter. In Europa hat Deutschland diese Notwendigkeit
erkannt und nimmt weiter eine Vorreiterrolle ein.
Altenpflege ist immer auch Anlass sozialer Arbeit. Sie zielt auf die Integrität des alten
Menschen und nimmt ihn in seinen sozialen Kontexten wahr. Altenpflege fokussiert
die Beziehung und die körperlichen ebenso wie die sozialen Bedarfe in den
Lebenswelten alter Menschen, unabhängig von der Schwere und Art der Erkrankung,
Behinderung oder des Pflegebedarfs.

Fort- und Weiterbildung

Altenpflege wird in interdisziplinären Teams verantwortet. Der AAA spricht sich
ausdrücklich für eine gemeinsame Qualifizierung der beteiligten Berufsgruppen in der
Weiterbildung (Praxisanleitung, Gerontopsychiatrie, Palliative Pflege,
Qualitätsbeauftragte, Management etc.) aus.

Generalisierte Pflegeausbildung

Der AAA spricht sich gegen die Zusammenführung der verschiedenen Berufe in der
Pflege zu einem Beruf aus. Tätigkeiten und Inhalte sind zu verschieden, um in einer
Ausbildung das bisher garantierte Niveau zu halten. Eine generalisierte Ausbildung
bedeutet einen Verlust für alle: Träger, Fachkräfte, Bewohner und Patienten. Wissen,
Methoden und Kompetenzen der Erstausbildung für den spezifischen Bedarf des
jeweiligen Arbeitsfeldes würden nach der Zusammenführung nicht mehr zur
Verfügung stehen. Sie müssten im Nachhinein in Weiterbildungen angeeignet
werden. Das produziert unnötige Kosten.
Eine generalisierte Ausbildung würde die Ausbildungsbereitschaft der Träger (nicht
nur) in der Altenhilfe drastisch reduzieren. Der Umfang der erforderlichen und
vorgeschriebenen Praxiseinsätze wäre so groß, dass die Schüler in den
finanzierenden Ausbildungseinrichtungen kaum mehr präsent sind.

Altenpflegehilfe

Der AAA befürwortet die Ausbildung zur Altenpflegehilfe, wenn sie im Sinne der
Durchlässigkeit den Zugang zur Altenpflegeausbildung auch den BewerberInnen
ermöglicht, die diesen zunächst nicht hätten.
Der AAA spricht sich ausdrücklich gegen Bestrebungen aus, die
Heimpersonalverordnung zugunsten eines höheren Anteils von Helfern zu
verschieben.

Akademisierung der Regelausbildung

Der AAA lehnt die Ansiedelung der Regelausbildung an den Fachhochschulen
(Bachelor) ab. Berufsausbildung muss sich an den Realitäten des Arbeitsmarktes
orientieren. Es ist nicht zu erwarten, dass die Einstellungsträger einen umfangreichen
Bedarf an Absolventen auf diesem Niveau haben und entsprechend vergüten
werden. Durch die im Vergleich zu den schulischen Ausbildungen begrenzten
Praxiszeiten eines Bachelorstudiums können die notwendigen berufspraktischen
Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht im erforderlichen Umfang vermittelt werden.

Ausbildungort Schule

Der AAA tritt für eine generelle Zuordnung der Altenpflegeschulen im Schulrecht der
Länder ein, damit

  • die klare Ansiedelung im System beruflicher Bildung erfolgt,
  • die Vermittlung von allgemein bildenden Abschlüssen und damit die vertikale Durchlässigkeit möglich ist,
  • die Qualifikation der Lehrkräfte akademisch und pädagogisch definiert und garantiert wird.

Dies ist bereits in elf Bundesländern Realität.

Dabei sind Schulen in freier Trägerschaft öffentlichen Schulen in der Finanzierung gleich zu stellen.
Eine Bestandsschutzgarantie beim Wechsel ins Schulrecht, für staatlich anerkannte Schulen sowie für deren Beschäftigte, ist zu geben.

Die Finanzierung

  • muss Planungssicherheit für die Schulen garantieren,
  • hat sicherzustellen, dass SchülerInnen nicht mit erheblichen Kosten für ihre Ausbildung belastet werden,
  • darf keine Kontingentierung von Plätzen vorsehen, da dies einen eklatanten Widerspruch zum Bedarf an Fachkräften und Ausbildungsstellen darstellt.

Ausbildungsort Praxis

Der AAA weiß, dass gute Ausbildung auf der Partnerschaft von Praxis und Schule
basiert. Qualifizierte Anleitung ist dafür die Voraussetzung. Diese kann nur
sichergestellt werden, wenn die Anleitungszeit der PraxisanleiterInnen auf den
Stellenplan angerechnet wird und ihre kontinuierliche Qualifikation gewährleistet ist.
Sämtliche Regelungen müssen so gefasst sein, dass sie die Ausbildungsbereitschaft
der Betriebe vergrößern. Dies gilt insbesondere für den ambulanten Bereich.

Ausbildungsvergütung

Das Kriterium der Angemessenheit der Ausbildungsvergütung ist im
Bundesaltenpflegegesetz fixiert.
Daraus ergeben sich Rechte und Pflichten für Schüler, Schule und Träger der
praktischen Ausbildung. Diese können nicht abgetreten werden.
Schulen tragen hierfür die formelle Gesamtverantwortung.

Altenpflege in Europa

Der AAA setzt auf die Altenpflegeausbildung als einen Exportartikel.
Die vorhandenen europäischen Lösungen sind keineswegs Vorbilder für eine
Ausbildung von Pflegekräften auf dem Gebiet der Altenhilfe. Mit ihrer Unterscheidung
zwischen Nursing und Care haben sie zu einer Ausdifferenzierung von
Pflegeleistungen geführt, die konzeptionelle und administrative Aufgaben von der
direkten Pflege trennt. Eine qualifizierte Altenpflege kann nur als integrative Leistung,
d.h. Pflegehandlungen auf der Basis von Konzepten und Modellen, verantwortet
werden. Die in Deutschland etablierte Altenpflegeausbildung stellt dies sicher.
Vermehrte Anfragen nach Expertise für die Umsetzung der Ausbildung auch in
anderen Ländern Europas ebenso wie die Nachfrage nach Absolventen spiegeln
diese Realität.

Freyburg/Berlin Juni 2007